37. Assembly der AIIC in Valencia: der Privatmarktsektor

AIIC-Vorkandidat Matthias Haldimann und AIIC-Mitglied Manuela Wille (seit Januar 2018 Mitglied des Ausschuss des Privatmarktsektors der AIIC). Fotos: privat
AIIC-Vorkandidat Matthias Haldimann und AIIC-Mitglied Manuela Wille, die in Valencia in den Ausschuss des Privatmarktsektors der AIIC gewählt wurde.

Das Arbeitsprogramm des Privatmarktsektors für die nächsten drei Jahre

Matthias Haldimann, Vorkandidat AIIC-Region Deutschland berichtet aus Valencia.

Ich habe das große Glück, dass im zweiten Jahr meiner Vorkandidatur in der AIIC eine Assemblée in Europa stattfindet. Das ist eine großartige Gelegenheit, den Verband von innen kennenzulernen. Manuela B. Wille spricht im Interview unter anderem über ihre langjährige Erfahrung im Verband.

Matthias Haldimann: Welches war die erste Assemblée, an der du teilgenommen hast?
Manuela Wille: Das war 1997 in Montreal. In dem Jahr bin ich dann auch AIIC-Mitglied geworden. Ich habe also noch als Kandidatin teilgenommen, als Beobachterin, so wie du jetzt beim ersten Mal.

Also genau vor 21 Jahren! Warst du zwischen damals und heute bei weiteren Assemblées?
Ja, ich war 2006 in Brüssel und 2009 in Nizza.

Wenn du zurückblickst, was ist die größte Veränderung im Verband seit du 1997 zum ersten Mal bei einer Assemblée warst?
Ich würde sagen, die gesamte Deregulierung im Markt. Bis 1997 war der Konferenzdolmetschermarkt zu einem gewissen Grad reguliert. Danach hat er sich auseinander entwickelt, was einen großen Umbruch bedeutete für die Dolmetscherwelt und die AIIC-Mitglieder. Heute sind wir insgesamt marktorientierter und dadurch auch kundenorientierter. Wir decken noch mehr Sprachen ab und haben eine Menge sogenannter Exotensprachen hinzugefügt. Auch bei unseren eigenen Versammlungen wird heute nicht nur Englisch und Französisch, sondern auch Spanisch gesprochen. Dann gab es in Buenos Aires vor sechs Jahren eine große Governance-Reform, mit der sich in der Verbandstruktur einiges geändert hat.

Auf die Zukunft geblickt ist eine der großen neuen Herausforderungen das sogenannte Distance Interpreting, ein spannendes Feld, wo wir uns auf jeden Fall einbringen müssen. Wir gehen sehr aktiv vor, setzen uns mit den Anbietern zusammen und geben ihnen Input, um auf die Weiterentwicklung der Technologie Einfluss zu nehmen. Nur so wird sie unseren Qualitätsansprüchen auch genügen können, und wir bekommen am Ende nichts aufgedrückt, mit dem wir nicht qualitativ arbeiten können.

Diese Art von Lobbyarbeit schaffen wir nicht als einzelne Konferenzdolmetscher. Ich halte das für einen großen Mehrwert des Verbands.
Auf jeden Fall. Wir haben heute Morgen bei der Vorstellung der Berichte gehört, in wie vielen verschiedenen Bereichen mit unterschiedlichen Anforderungen die AIIC tätig ist. Das können wir alleine nicht bewältigen. Da ist es gut, wenn man den Rückhalt einer großen, starken Organisation mit Experten für die verschiedenen Bereiche hat.

Nun hast du ja auch eine Funktion in dieser Organisation. Du wurdest vorgestern in den ständigen Ausschuss des Privatmarktsektors (PriMS) gewählt. Was ist die Funktion dieses Ausschusses und was nimmst du dir für deine Arbeit dort vor?
Der ständige Ausschuss ist im Prinzip der Vorstand des Privatmarktsektors. Die AIIC besteht ja aus drei Sektoren: Dem Privatmarkt, den fest angestellten Konferenzdolmetschern und dem sogenannten Agreement-Sektor. Letzterer betrifft die Kollegen, die nicht fest angestellt sind, aber gemäß den von der AIIC ausgehandelten Verträgen für die internationalen Organisationen arbeiten.

Im ständigen Ausschuss des Privatmarktsektors sind wir jetzt fünf Mitglieder, die sich die Arbeit teilen. Da wir erst gerade gewählt wurden, werden wir uns morgen treffen, um ein Arbeitsprogramm für die nächsten drei Jahre aufzusetzen. Von den Mitgliedern kamen schon einige Ideen dazu. Entsprechend bereiten wir dann die PriMS-Sitzungen vor, die zwei Mal im Jahr an unterschiedlichen Orten weltweit stattfinden. Ich persönlich möchte mich mit der Weiterbildung im Marketing beschäftigen. Wie können wir uns besser als Dolmetscher im Privatmarkt positionieren? Wie grenzen wir uns von Agenturen ab und anderen, die Dolmetschdienste anbieten, aber keine wirklichen Sprachexperten sind? Dazu möchte ich Veranstaltungen organisieren, die wir im Zusammenhang mit den regelmäßigen PriMS-Sitzungen anbieten. Das könnten beispielsweise eintägige Seminare zu Verkaufsaktivitäten, Marketing oder Marktpositionierung sein.

Das andere Gebiet, mit dem ich mich gerne beschäftigen würde, ist Distance Interpreting, natürlich in Zusammenarbeit mit dem Technical and Health Committee und der neuen Task Force Distance Interpreting.

Dann frage ich direkt zum Thema Positionierung: Was haben unsere Kunden für einen Mehrwert, wenn sie für Konferenzen AIIC-Dolmetscher engagieren?
Die AIIC ist der einzige weltweite Konferenzdolmetscherverband und es gibt ihn nun schon seit 65 Jahren. Der Verband hat sehr strenge Aufnahmekriterien, d. h. AIIC-Dolmetscher sind echte Profis in ihrem Feld, echte Sprach- und Dolmetschexperten. Wir sind ein weltweiter Verband, d. h. wenn Kunden irgendwo auf der Welt einen Dolmetscher brauchen, können sie sich vertrauensvoll auch an AIIC-Mitglieder in ihrem Heimatland wenden, die ihnen überall auf der Welt ein gutes Team zusammenstellen werden. Ich habe beispielsweise einen langjährigen Kunden in Kanada, der ab und zu in Deutschland Geschäfte macht. Vor ein paar Monaten rief er mich an und sagte: „Ich gehe jetzt nach Kolumbien mit meinem Geschäft. Kennen Sie da jemanden?“ Da konnte ich sagen, ja, ich war gerade in Kolumbien bei der PriMS-Sitzung in Cartagena de Indias und habe vor Ort sehr kompetente Kollegen kennengelernt. So konnte ich ihm jemanden empfehlen.

Na, wenn das mal kein Mehrwert ist! Vielen Dank, Manuela.

Das Interview führte Matthias Haldimann, Vorkandidat AIIC-Region Deutschland, Berufswohnsitz Mannheim mit Manuela Wille, AIIC-Mitglied seit 1997, Berufswohnsitz Hamburg

Die Assemblée / Assembly der AIIC findet alle drei Jahre in einer anderen Metropole statt. Die Assembly 2018 steht unter dem Motto: Multilingualism Matters

Weitere Berichte zur 37. Assembly:
Letizia Fuchs-Vidotto zu sechs Jahrzehnten Konferenzdolmetschen

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